Samstag, 20. Dezember 2014

Weihnachtszeit in Vietnam



In vier Tagen ist es schon so weit, das Weihnachtsfest steht vor der Tür. Leider bekommt man bis auf die Musik im neuen Einkaufszentrum "Big C" nicht viel davon mit. Man liest zwar ständig die weihnachtlichen Posts auf Facebook, aber auch das bringt uns hier nicht wirklich in Stimmung. Im Vorbereitungsseminar wurden wir aber von den Ehemaligen Freiwilligen schon davor "gewarnt", sodass die meisten von uns über Weihnachten (lễ Noel) und Silvester (Tết tây) in der thailändischen Sonne brutzeln werden. Zwei von uns bleiben in Vietnam, weil sie Besuch erwarten, und zwei andere mussten leider zurück nach Deutschland, was das alles noch ein bisschen trauriger macht.
Die Temperaturen hier sind natürlich wärmer als bei euch, doch auch hier im Norden ist es kalt, tagsüber sind es zwischen 9°C und 19°C, was sich jedoch nochmal wie 10°C weniger anfühlt. Trotzdem scheint die Sonne und alles passt irgendwie nicht zusammen, sodass nichteinmal ansatzweise soetwas wie Weihnachtsstimmung aufkommen könnte. Aber dafür können wir uns auf Thailand freuen.
Trotzdem wünsche ich euch allen eine schöne und besinnliche Weihnachtszeit, ein friedliches Zusammensein und eine wundervolle Zeit mit Freunden und Familie und natürlich ein fröhliches Weihnachtsfest! Liebe Grüße an meine Familie, Freunde und alle, die das hier lesen und an mich gedacht haben! Ich vermisse euch alle hier sehr!!







Übrigens waren wir letzten Monat in der Hạ Long Bucht auf der Insel Cát Bà, wo die Temperaturen auch noch etwas milder waren als hier, sodass wir sogar am Strand dort schwimmen gehen konnten. Leider ist die Insel auch bereits stark vom Tourismus geprägt, sodass die einzige richtige Hauptstraße dort fast nur aus Hotels und überteuerten Souvenirläden bestand. Vor den zwei Nächten auf der Insel haben wir auch eine Nacht auf einem Touristenboot verbracht, wo wir neben vier Franzosen die einzigen Besucher auf dem Schiff waren. Das Essen, das serviert wurde, war zwar genau abgezählt, aber morgens gab es das erste Mal für uns in Vietnam Toast mit Spiegelei!









Dienstag, 25. November 2014

Kaltes Sapa


Ich habe lange nicht mehr von mir hören lassen. Das liegt einerseits daran, dass es jeden Tag was zu tun gibt bis zum späten Abend und andererseits daran, dass es echt schwer ist, sich dazu aufzuraffen, einen semi-langen Bericht der größeren Ereignisse zu verfassen. Aber irgendwann muss es ja mal gemacht werden, das wäre dann jetzt.



Christin mit einer Frau der Roten Dao

Letzten Monat waren wir in Sapa, das ist eine sehr touristisch geprägte Stadt im Norden Vietnams, wo die hohen Breitengrade und Berge die Temperatur kaum über 25°C kommen lassen. Sapa ist als Touristenziel so beliebt, weil hier viele Minderheiten vertreten sind, wie z.B. die Roten Dao, H'mong und Thai (nein, das sind keine Thailänder).






Die Busfahrt von Hanoi über Lao Cai nach Sapa hat etwa vier Stunden gedauert, dementsprechend erschöpft waren wir, als wir am Freitagnachmittag ankamen. Wir sind also nur ein wenig spazieren gegangen in der recht überschaubaren Stadt und haben schon früh den Eindruck gewonnen, dass die Menschen hier fast vollständig von Tourismus leben, wenn nicht sogar ganz. Die Menschen in den schönen traditionellen Kleidern können fast besser Englisch als Vietnamesisch (sie haben ja auch noch eine eigene Sprache in ihrem Kulturkreis), kommen immer direkt auf einen zu und fragen "Shopping?" während sie einem das hinhalten, was sie einem verkaufen möchten.  



Am zweiten Tag sind wir das Dorf Cat Cat besuchen gegangen, das sich in einem großen Rundgang erschließt. Man findet den Ganzen Weg entlang Stände, an denen Schmuck, Kleidung, Instrumente und andere Souvenirs verkauft werden. Die Menschen leben nur von dem Nötigsten und dem, was die Einnahmen der Touristen bieten. Bei den Wasserfällen gibt es ein Geäude, in dem Tanzvorstellungen mit traditionellen Tänzen von jugendlichen Einwohnern als Geschichte verpackt gezeigt werden.
Schmuck und ein anscheinend
übliches Instrument

(angeblich) Armreife verschiedener
Minderheitsgruppen












Verkaufshütten überall
entlang des Weges

Den Mädchen wird schon im
jungen Kindesalter der Umgang
mit Babys beigebracht















Jeden Samstagabend findet im Zentrum des Städtchens der sogenannte "Love Market" (Cho Tinh) statt, der früher den Zweck erfüllte, dass sich unter den (sehr) jungen Jugendlichen Paare finden, die dann verheiratet werden. Inzwischen finden eher männliche Touristen ein hübsches Mädchen für die Nacht (man sieht nicht selten halbasiatische Kinder mit blonden Haaren oder blauen Augen) und junge überwiegend männliche Teenager durch kleine Aufführungen mit traditionellen Instrumenten und in dementsprechender Kleidung die Möglichkeit, ein wenig Taschengeld dazuzuverdienen.

Der Love Market






Am Sonntag haben wir die Wasserfälle in der Umgebung mit den Mofas aufgesucht und sind ein wenig wandern gewesen. Anh Thang ist sogar beim Wasserfall "Tinh Yeu" (siehe links) schwimmen gegangen! Am Abend haben wir die wirklich nette "H'mong Bar" aufgesucht und den letzten Abend gefeiert. Montagmorgens sind wir dann wieder nach Hause aufgebrochen. Die Schlafbusse, mit denen wir beide Strecken gefahren sind, waren wirklich bequem, man kann gut schlafen oder aber einen Film auf einen der vielen Bildschirme sehen. Zwischendurch hat man sogar Verpflegung in Form von Wasser, Sojamilch und seltsamer Milchbrötchen bekommen. Eine Fahrt hat etwa 10 Euro gekostet.
Die Aussicht auf die nebelverhangenen Berge


auf dem Weg zu den Wasserfällen:
Zwei Kinder, die zwischen dem Müll spielen



Montag, 22. September 2014

Wir ziehen um!


Obwohl wir hier erst seit einem Monat leben, gab es bereits einige "major events", wie zum Beispiel die Explosion unserer Toilette, weswegen wir unter anderem in ein neu gebautes Haus gezogen sind.
Bis auf Johannes (Tâm) haben sich alle darauf gefreut, umzuziehen, wobei natürlich noch die neue Zimmerverteilung ausgehandelt werden musste, denn wir haben zwei Zimmer weniger (naja eigentlich nur eins, da wir das Zimmer im Erdgeschoss nicht genutzt haben). Wir haben jetzt zwei große Balkonzimmer, ein kleines ohne Fenster, das Anna bezogen hat, und ein Zimmer ohne Balkon mit recht niedriger Decke.



Die Küche

Der Eingangsbereich vom "Wohnzimmer" aus betrachtet

Das "Wohnzimmer"

Tin's und mein Zimmer


Leider gehört zu den großen Ereignissen auch der erste Verkehrsunfall, bei dem Christin (Tin) sich das Knie verletzt hatte und es im Krankenhaus genäht bekommen hat. Der Verkehr in Vietnam ist wirklich unberechenbar, sodass dieser Unfall jedem hätte passieren können. In der Traube von Menschen, die sich um Christin und Anna, die zusammen auf dem Mofa gefahren sind, versammelt hatten, gab es auch einige sehr hilfsbereite Einwohner, von denen einer Deutsch sprechen konnte und eine andere hatte sich bereits um die Wundversorgung gekümmert und irgendwer hat auch ein Taxi gerufen. Anh Tuân, eine unserer ersten Bekanntschaften, kam auch, um uns zu helfen und Christin ins Krankenhaus zu bringen.





Aber es gab natürlich auch erfreulichere Ereignisse wie zum Beispiel das Treffen mit meiner Freundin My aus Deutschland, die ihre Familie in Hanoi besucht hatte. Es war schön, mal wieder ein bekanntes Gesicht zu sehen und mit jemandem reden zu können, den man schon länger als nur einen Monat kennt. Wir waren zusammen in einem Lakeview-Café, sind danach mit ihrer Familie italienisch essen gewesen, am Abend noch auf den Nachtmarkt gegangen und haben dann bei ihren Großeltern übernachtet. Leider musste ich bereits um 5PM wieder gehen, da dann schon der letzte Bus zurück nach Bắc Giang fuhr.




Das Lakeview Café...
...hält, was es verspricht



Italienisch essen mit My's Familie


Ein anderes schönes Erlebnis war die Fahrt nach Huyền Sơn, Lục Nam zum der Besuch der Thác Thùm Thùm, der für die Provinz Bắc Giang bekannten Wasserfälle, wo auch Henni, Marlene und Lukas dabei waren. Und da es an dem Tag ausnahmsweise mal nicht geregnet hatte, konnten wir das Schwimmen im nicht allzu kalten Wasser und das Barbecue von anh Thang mit frischem Fisch und richtig gut gewürztem Fleisch (danke an Henni und Thao ;) ) umso mehr genießen!





















Hier ist auch mal eine kleine Vorschau von der Route zu den Wasserfällen. Die Fahrt hat natürlich nicht nur eine halbe Stunde gedauert.


Freitag, 12. September 2014

Endlich wieder ein Lebenszeichen


Wir leben jetzt zwar schon seit drei Wochen in Bac Giang und inzwischen hat sich auch schon fast etwas wie ein Alltag eingependelt, doch irgendwie war es sehr schwer, die Zeit und Lust zu finden, all die Geschehnisse der ersten Tage hier festzuhalten, denn gerade in der Anfangszeit ist ja noch alles neu und spannend. Ich denke also das hier wird ein etwas längerer Eintrag.


Johannes (Tâm) zusammen mit den Taubstummen
Die Arbeit im Sozialen Zentrum (Trung tâm Công tác xã hội) war zwar die ersten Tage ein wenig anstrengend, da man noch kein Wort von dem verstand, was von einem verlangt wurde und auch die Leute und die Aufgaben erstmal kennenlernen musste, doch es machte schon von Anfang an Spaß. 
Die Fahrräder sind die beliebteste Beute
Wir fangen in den Regel morgens um 7:30AM an und spielen dann mit den Behinderten und Taubstummen im Physioraum. Wenn gegen 10AM gegessen wird, helfen wir in der Küche, beim Abwaschen und dem Aufräumen. Danach haben alle bis 2PM Pause, dann sind sogar die sonst dauerbefahrenen Straßen wie ausgestorben und alle machen Siesta. 
Tu ist eines der Waisenkinder, die im Zentrum leben
Nach der Pause sind neben den Behinderten (und manchmal sogar einige der Waisen, wenn sie nicht gerade in der Schule sind oder auf dem Feld arbeiten müssen) auch eine Gruppe von Alten im Physioraum, die wir dann um 4PM wieder zurück bringen, damit sie essen und wir wieder beim Küchendienst helfen können.
Momentan ist Chi Thuan aber nicht da, weswegen der Physioraum geschlossen ist. Dann teilen Thao, Johannes (Tâm) und ich uns auf und beschäftigen uns mit dem, wozu wir gerade Lust haben, z.B. Thao mit den HIV Kindern, falls sie gerade keinen Unterricht haben, Johannes mit den Taubstummen und ich helfe gerne den Babyfrauen.
Je nach Lust und Laune bleiben wir auch mal länger und spielen dann auch noch mit den Waisen, die zu der Zeit wieder aus der Schule zurück sind, und helfen beim Spülen nach dem Abendessen, was übrigens dann auch die Waisen  übernehmen.






ông Dao nach dem Essen auf dem Weg zurück zu seinem Zimmer


Huong und Trung haben beide das Down-Syndrom
Duy ist zusammen mit Tuyet das jüngste HIV infizierte Kind
























Außerdem kommen auch gelegentlich Schüler der Highschool in Bac Giang vorbei, die sich anscheinend für die soziale Arbeit aber vor allem für das Verbessern ihrer Englischkenntnisse interessieren. Am Sonntag beim Trung Thu Cho Tre Em, dem Kinderfest (auch Mondfest genannt), haben Thao und Johannes (ich war eine Freundin in Hanoi besuchen) sie kennengelernt und wir wurden für den darauffolgenden Tag eingeladen. So sind wir also am Montag nach der Arbeit von einer Schülerin namens Linh abgeholt worden und zu ihrer Schule gebracht, wo wir schon von einer großen Gruppe von Schülern erwartet wurden. Schnell bildete sich eine Traube von begeisterten kichernden Jugendlichen um uns herum, die durch weitere Schaulustige Schüler, die nicht dem Englisch-Club angehörten, ergänzt wurde. Letztendlich sind wir dann mitsamt der halben Gruppe zum Che essen gegangen, wo viel gesungen, gespielt und gefragt wurde. Die Schüler haben uns das Essen ausgegeben und uns Pomelos (qua Buoi) und das Banh Da (pizzagroßes rundes Stück Knäckebrot), eine Spezialität aus Bac Giang, geschenkt. Am gleichen Abend ereilten mich auch schon die ersten Freundschaftsanfragen auf Facebook.


Das sind aber nicht die einzigen Einheimischen, zu denen wir außerhalb der Arbeit Kontakt pflegen. Leo und Johannes spielen in einer Nachbarschafts-Fußballmanschaft, von der wir auch schon in den ersten Tagen hier in Bac Giang zum Essen nach Hause eingeladen wurden (inzwischen auch immer wieder zwischendurch zum Essen und Trinken, was uns auch viel zu oft von denen ausgegeben wird). Bei so großen Mengen wird üblicherweise auf Bambusmatten gegessen. Jeder hat zwar ein eigenes Schälchen, doch eigentlich wird sich einfach etwas aus der Mitte genommen, in einer der Soßen (Nuoc Mam beste!) gedippt und sofort gegessen. Uns Gästen wird aber auch gerne mal einfach so was ins Schälchen gelegt, falls wir den Eindruck erwecken, zu wenig zu essen. So findet man sich nämlich plötzlich ungewollt mit einem Stück Blutpudding oder Hundedarm wieder. Es abzulehnen oder nicht zu essen ist unhöflich, darum heißt es nicht selten einfach Augen zu und durch. Neben meinem all-time-favorite, der Pho Suppe, hat sich aber auch Com Rang (gebratener Reis) zu einer meiner Lieblingsgerichte hier entwickelt. Mi Xau (gebratene Nudeln) sind hier auch sehr lecker und sind bei weitem nicht mit dem zu vergleichen, was man vom Chinesen in Deutschland so kennt - zum Glück.



Das Ho Chi Minh Mauseoleum

Am 30. und 31.8. waren wir mit cô Binh, anh Thang und Lan Anh in Hanoi, um im Groben die Stadt mit ihren Sehenswürdigkeiten kennenzulernen. So kennen wir nun also den Schildkrötensee, die Oper, das Ho-Chi-Minh-Mauseoleoum zusammen mit dem Museum, und die Einsäulenpagode in Hanoi. Am Samstagabend sind wir dann am Westlake mit co Binh's "berühmten" Sohn Viet Anh in einem netten Restaurant essen gewesen und anh Thang ist danach mit uns noch auf den berühmtberüchtigten hanoier Nachtmarkt gegangen. Nach einer Runde Bia Hoi und einem neuen Trinkspiel sind wir dann zu Tony's Hotel, wo eine Übernachtung nur 5€ kostet (dafür gibt es dort keine Handtücher), zurückgekehrt. Am nächsten Tag waren wir mit anh Thang dann das Ethnologische Museum besuchen, in dem wir über die verschiedenen Kulturgruppen in Vietnam erfahren haben. Normalerweise finde ich Museen recht uninteressant, doch der Besuch hat sich absolut gelohnt, schon allein wegen der wirklich eindrucksvollen Freilichtausstellung!


Der Hoan Kiem See, auch Schildkrötensee genannt
Die Oper in Hanoi
Während Christin und ich die Außenausstellung betrachteten, haben Tâm und Lukas die Zeit für eine Siesta genutzt

Im Literaturtempel: Zwei Männer, die chinesisches Schach spielen
Im Literaturtempel
Die Einsäulenpagode



 Der Westlake in Hanoi:







So, das war es nun erstmal. Heute Abend kommen Lukas, Marlene und Henni aus Hoa Binh, da wir morgen zusammen mit anh Thang zu den Wasserfällen in Bac Giang fahren wollten.

PS: BILDER UND POSTKARTEN FOLGEN!!