Montag, 27. Juli 2015

Der Endspurt


Für fünf von uns sieben Freiwilligen in Vietnam ist es am 1. August soweit: die Rückkehr nach Deutschland steht bevor.
Und ohne dass man es merkt, ist schon fast ein ganzes Jahr vergangen, wo es einem wirklich gar nicht so vorkommt. Aber rückblickend auf den August letzten Jahres ist dann doch schon viel Zeit vergangen, in der man sehr viel über das Land, die Leute, aber auch sich selbst gelernt hat.

Leider hatte ich in den ganzen Monaten nie wirklich die Zeit dazu gefunden, Vietnam wirklich zu bereisen. Natürlich waren wir mit anh Thang in Hanoi, Sapa und in der Halong Bucht, aber bis zu unserem letzten Seminar war ich als einzige aus unserer Gruppe noch nie südlicher als Hoabinh, wo Henni und Marlene wohnen.

In besagtem Seminar haben wir dann die ersten zwei Nächte bei anh Thang's Vater verbracht, danach haben wir in einem Homestay und einem Ho(s)tel übernachtet. Wir haben alle zusammen die Kriegstunnel in Cu Chi besichtigt, waren am Mekong Delta, haben diverse "Fabriken" besichtigt, welche aber eher in Handarbeit herstellen, als dass Maschinen diese Arbeit übernehmen. Jetzt wissen wir aber zumindest, wie man Reisnudeln und Kokosmilchbonbons hersellt. In dem Homestay gab es auch abends noch riesige leckere Bánh Xèo zu futtern.

Ich fand es für mich selbst wichtig, regionale Gerichte zu probieren und mit den Menschen versuchen zu kommunizieren (klingt einfacher als es dank der großen Dialektunterschiede ist). Im Süden haben wir als Gruppe immer zusammen mit anh Thang gegessen, weswegen es so gut wie jeden Tag Sommerrollen gab - die natürlich sehr sehr lecker, aber leider nicht wirklich abwechslungsreich, sind. Daher habe ich nicht allzu viele kulinarische Eindrücke aus Saigon sammeln können. 
Was die Sprache angeht, so hört sich der südliche Dialekt ganz anders an als der im Norden. Einige Buchstaben werden völlig anders ausgesprochen, wodurch viele Worte natürlich erst beim zweiten Hinhören für ungeübte Ohren verständlich sind. Im Vergleich zum Norden ist der Süddialekt viel weicher und melodischer denke ich. 
Die Stadt allgemein unterscheidet sich natürlich auch von der Hauptstadt im Norden: alles scheint ein wenig großer zu sein als in Hanoi, das Zentrum ist besser ausgebaut und es gibt haufenweise Hochhäuser in der Stadtmitte und im Stadtrandgebiet. Es scheint ein wenig sauberer, aber das ist vielleicht nur ein subjektiver Eindruck meinerseits. Es war schön, abends all die jungen Mennschen auf dem riesigen Platz in der Innenstadt friedlich beisammen zu sehen, wie sie spielen, singen und einfach ausgelassen Spaß haben.

Nach dem Seminar habe ich beschlossen, meinen Rückweg alleine anzutreten per Open-Bus-Ticket von Saigon nach Hanoi über Nha Trang, Hoi An und die alte Kaiserstadt Hue. Leider habe ich wie anfangs erwähnt nicht mehr viel Zeit in Vietnam, weswegen, es eher ein grobes Speed-Traveling als eine wirkliche Reise war. Somit habe ich die größten "Touristen-A(ttra)ktionen außer Acht gelassen, mit dem Hintergedanken, das Land irgendwann nochmal vernünftig und gründlich zu bereisen, und stattdessen viel Zeit mit Locals zu verbringen und regionale Gerichte zu entdecken.






2015/07/14 - 15
Nha Trang...


... ist bekannt für seinen tollen Strand und die Unmengen von Russen, die dieser anzieht. Tatsächlich sind mindestens zwei Drittel der Ausländer aus Russland. Später habe ich erfahren, dass es viele Direktflüge von Russland nach Nha Trang gibt und das Touristenvisum für jene Menschen kostenlos ist. Glückspilze!
Ich bin mit dem Nachtbus angereist, wodurch ich schon früh morgens loslegen konnte und erstmal tauchen gegangen bin mit der Crew von den Nha Trang Fundivers. Das Unterwasserleben ist leider nicht ganz so abwechslungsreich wie das bei El Nido in den Philippinen, aber es war trotzdem schön und wir haben eine riesige Qualle gesehen. Meine Mittaucher, Buddy und sogar einer der Divemaster waren natürlich russischen Ursprungs. Auch die anderen Mitglieder der Tauchbasis sind alle sehr freundlich, lustig, zuvorkommend und hilfsbereit gewesen. Man hat mir bei der Hotelsuche, dem Shopping, Essen gehen und vielem mehr mit Rat und Tat bei Seite gestanden (wie ich es zum Glück von den meisten Menschen in diesem Land erfahren durfte). Ich bin sogar rechtzeitig zum letzten Tag des Sea-Festivals angekommen, wo abends bekannte vietnamesische Sänger Playback recht interessante themenbezogene Lieder gesungen und eine gute Show geliefert haben. 
Am nächsten Tag habe ich mir die Zeit für einen erholsamen Schlaf genommen und bin danach im Meer schwimmen gewesen. Vom Strand aus kann man die längste Gondel der Welt (?) sehen, die geradewegs vom Festland rüber auf die Insel des Vinpearl-Lands führt, welches ein riesiges Ferien-Ressort mit Vergnügungspark ist.
Übernachtet habe ich übrigens im wirklich sauberen und freundlichen Hanoi Golden Hotel, wo eine Nacht im 12er-Dorm mit super bequemer Matratze 5$ gekostet hat.

Favorisiertes Essen: Bánh Bò (schmeckte aber in Südvietnam bisher am besten)




2015/07/16-18
Hoi An...


bei Nacht leuchten genau wie
hier tausende bunte Laternen
über den Köpfen der Leute
Die Straße hat mich sehr an diese
Filmszene erinnert
...wird von vielen Touristen aufgesucht, um Maßanfertigungen von Schuhen und Kleidern für wenig Geld in kürzester Zeit (1 Tag!) zu bekommen. In Saigon sind wir abends auf eine Gruppe Engländer in maßgeschneiderten Anzügen mit witzigen Motiven gestoßen, die diese natürlich in Hoi An haben anfertigen lassen. Ferner kennt man Hoi An aber auch als "Stadt der Laternen", die abends und nachts die ganze Stadt erhellen und ihr einen mysteriösen und altehrwürdigen Hauch verleihen. Als repräsentatives Souvenir wurde eine solche selbstverständlich gekauft. Als ich sowohl tagsüber als auch abends durch die Straßen Hoi Ans geschlendert bin, musste ich unmittelbar an die Szenerie aus Hayao Miyazaki's "Chihiro's Reise ins Zauberland denken. 

Ich habe mir dort natürlich auch Sachen maßanfertigen lassen, wo ich schon mal dort war, und auf diedem Wege einige nette Bekanntschaften machen können. Zwei Nächte lang habe ich in einem "Homestay" (5$ pro Nacht im Einzelzimmer) geschlafen, was aber keineswegs ein Homestay-Feeling hatte, da die Familie die Zimmer eher zum Zweck einer Nebeneinnahmequelle vermieten, anstatt einem das vietnamesische Leben und dinieren näherzubringen. 
Was das Essen angeht, so hat Hoi An auf jeden Fall eine sehr spezielle Küche, die sich sehr von der vietnamesischen Norm abhebt. Bekannt für die Region sind die besonders die beiden Gerichte Cao Lau (ein bisschen wie Salat) und Hoành Thánh (eher bekannt als Wan Tan). Letzteres war wirklich ein klinarischer Genuss! Direkt neben dem Homestay haben zwei alte Damen abends auch sogenannte Taiyaki verkauft, was eigentlich ein mit süßer Bohnenpaste gefüllter japanischer Snack ist, aber hier Vietnam-Style mit trockenfleisch und Kososraspeln gebacken wurde.

Vietnamesische Taiyaki:
Sie dienten mir auf dem 4km langen Weg zum Strand als Snack

Hoành Thánh als Suppe

Die Japanische Brücke
leider muss man seit kurzem Geld bezahlen, um sie betreten zu dürfen

Eine Szene wie im Film

Eine von vielen Tempelanlagen in der Stadt

Das Wahrzeichen Hoi An's:
Die Laternen

Obwohl meine Zeit hier nur sehr kurz war, so habe ich doch einige
sehr nette Bekanntschaften machen können

Cao Lau






2015/07/18 - 20
Hue...


... ist die alte Kaiserstadt Vietnams, von der aus in alten Zeiten das ganze Land regiert wurde. Die größte Attraktion dort ist natürlich somit die Zitadelle und der Innenhof des alten Stadt. Das Touristen-Programm habe ich mir aber für meinen nächsten Besuch aufgespart und bin stattdessen mit Backpackern und Einheimischen unterwegs gewesen. Dank letzterem hatte ich auch die Chance, einige regionale Gerichte zu probieren, wie zum Beispiel Bánh Bèo, Bánh Cuon Cha und Bún Hen.
Untergekommen bin ich übrigens wieder für 5$ im Tigon Hostel, im 12er-Dorm. Dort gibt es auch eine Rooftop-Bar, Computer, Fernseher mit Spielkonsolen und Filmen und in den Badezimmern gibt es Badewannen!!
Ikemen-Geheimtip ;)


Banh Cuon Cha

Bun Hen


Westliches Tor

Im Inneren gibt es gewiss noch mehr solcher Gebäude

Östliches Tor




Zurück in Hanoi musste ich mir erstmal ein Backpack besorgen, um das ganze neue Gepäck (überwiegend Kleidung, weil ich nicht viel mitgenommen hatte) in etwas anderem als Mülltüten unterzubringen, ist übrigens auch kompfortabler und ich brauchte sowieso noch einen, da der Koffer alleine nicht reichen wird für das Gepack, das ich mit nach Deutschland zurücknehmen werde.
Jetzt heißt es jedenfalls Souvenirs für die Daheim gebliebenen besorgen und allen Freunden nochmal vorerst Tschüss sagen.

Rückblickend auf das Jahr kann ich sagen, dass ich zwar viele Dinge hätte anders oder besser machen können, doch ich bin an eben jenen Dingen gewachsen und habe viele Dinge fürs Leben und für die Zukunft gelernt. Ich bereue es  auf keinen Fall, nach Vietnam gekommen zu sein!

Nochmals vielen Dank an all die Menschen, die an meiner Seite waren, sowohl vor, während als auch nach der Zeit in Vietnam, an all jene, die mein Vorhaben in jeder erdenklicher Art gefördert und unterstützt haben, ganz besonders an meine Familie.
Anfangs, wo alles neu und toll und anders war, hatte ich in meinem kleinen Köpfchen leider wenig Platz für euch gefunden, doch je mehr Zeit verging, besonders jetzt zum Ende hin, fehlt ihr mir alle sehr und obwohl ich vieles in und an Vietnam vermissen werde, bin ich froh, endlich wieder bei euch zu sein. Es war sehr schön hier, doch mein Platz, zu dem es mich trotz meiner extremen Wanderlust hinzieht, wird immer bei euch sein. 
- Ich hab euch lieb❣ ♥



Dienstag, 2. Juni 2015

Der große Ausflug



Mein Blog ist inzwischen schon schwer verstaubt, das Leben hier natürlich nicht, es gibt genug, was einen auf Trab hält. Es gibt noch so vieles zu erzählen, aber heute möchte ich mich auf den großen Ausflug nach Hanoi beschränken.

Wie schon unsere Vorgänger haben auch wir einen Trip in die Hauptstadt Hà Nội geplant. Eher weniger aus bildungstechnischen Gründen als dem simplen Grund, einfach mal raus zu kommen und Spaß zu haben wie normale Kinder es mit ihren Eltern machen. Johannes hat die ganze Planung übernommen: einen Bus organisiert, Anrufe getätigt und die Erlaubnis eingeholt. Hierfür ein großes Lob und Dankeschön!!
Dank seiner gründlichen Vorbereitung sind wir am Sonntag gegen 7 Uhr morgens losgefahren und hatten stundenlang Spaß im Abenteuerschwimmbad des Vincom Centers. Es gab kein einziges Mal irgendwelche Zwischenfälle, sodass wir danach problemlos noch mit den Waisen und Taubstummen essen gehen konnten, bevor es wieder zurück nach Bắc Giang ging.
Auf dem Rückweg hat man gesehen, dass jeder auf seine Kosten gekommen ist: alle haben geschlafen!










Neben den Waisen und Taubstummen gibt es noch vier behinderte (von denen eines mitkommen durfte) und zwei sehr junge Waisenkinder, die im Babyhaus untergebracht sind;
sechs mit dem HI Virus infizierte Kinder, die nicht mitkamen, da sie bereits einen großen Ausflug mit einer Gruppe von französischen Freiwilligen gemacht hatten, die für ein paar Tage in Bắc Giang waren;
die Alten sind körperlich leider nicht mehr in der Lage für Ausflüge weiter als zur Küche, jedoch freuen sie sich sehr über Kleinigkeiten wie Eis, Süßigkeiten oder Tee;
und mit den geistig behinderten Erwachsenen kann man leider keine Ausflüge machen, da sie nichteinmal aus dem für sie angelegten Track herauskommen können/dürfen/sollen, was bei einigen auch wirklich besser so ist, da sie gefährlich werden können.









Der Trip war auf jeden Fall ein voller Erfolg und demnächst werden die meisten Kinder von ihren Verwandten für die Dauer der Sommerferien abgeholt.
Mit den wenigen, die dann noch hier sind, kann man dann noch gut ein paar kleine Unternehmungen machen wie z.B. Chè essen, Tretboot fahren oder skaten gehen im Park. Leider ist unsere Zeit hier auch nur noch knapp bemessen, sodass wir bereits in zehn bis elf Wochen (wir wissen den genauen Rückflug Termin noch nicht) das Land verlassen müssen.
Nicht selten werden wir gefragt, ob wir denn nochmal wieder kommen werden. Ich hoffe sehr darauf, wiederkommen zu können!

Sonntag, 26. April 2015

Leichte Verspätung



Heute möchte ich euch ein wenig über meine/unsere Erfahrungen zum chinesischen Neujahr Tết berichten. Das Neujahr hier zieht sich anders als unseres über mehrere Tage bis Wochen hin und ist jedes Jahr zu einer anderen Zeit - zumindest nach unserem Kalender. Die Vietnamesen benutzen beide Kalender, wobei der chinesische Mondkalender für die Feiertage herangezogen wird, so war die "Silvesternacht" dieses Jahr vom 18. auf den 19. Februar.

Tết essen bei Freunden
Wir wurden von Freunden eingeladen, das Feuerwerk zu sehen, das natürlich bei weitem nicht so spektakulär ist wie in Deutschland, aber besser als nichts. Danach haben wir unsere Neujahrs-Glückwunsch-Runde gedreht, wo wir "Kinder" mit Süßem nur so vollgestopft wurden. Am nächsten Tag sind wir unserer ersten Neujahrsessen-Einladung nachgegangen, wo es fast nichts außer Fleisch gibt und natürlich dem Neujahrskuchen bánh chưng, der aber alles andere als ein Kuchen ist, da es eigentlich nur ein Haufen Fleisch von Reis umhüllt ist, der in Bananenblätter (?) eingepackt wird. Das ganze ist selbstverständlich kalt und schmeckte für uns Westler auch dementsprechend gewöhnungsbedürftig, wobei es in der Pfanne gebraten eigentlich recht essbar ist.

Gewöhnlich werden Kindern und Alten Umschläge, li xi genannt, mit Geld geschenkt, welches Glück für das neue Jahr bringen soll. Vor Tết wird für die Kinder auch nicht selten neue Kleidung und Spielzeug gekauft, es ist also wie Weihnachten und Silvester in einem und einen dementsprechenden Stellenwert hat dieses traditionelle Fest im vietnamesischen Kulturkreis - auch in Deutschland.

Vor Tết finden gewöhnlich auch viele Hochzeiten statt, da es zur kalten Jahreszeit (zumindest hier im Norden) einfacher ist, das Essen zu lagern, denn auch die Hochzeiten dauern mehrere Tage an. 
Zu beiden Anlässen wird übrigens sehr viel Alkohol konsumiert und den Einladungen kann man kaum aus dem Weg gehen. Aber hier wird allgemein recht viel Bier und rượu getrunken von der männlichen Bevölkerung. Der Frauenrolle entsprechend ist es für Mädchen verpöhnt, Alkohol zu  trinken, aber wenn man Ausländer ist, sind die Dinge natürlich nochmal ganz anders, weswegen uns Mädels auch ab und an sogar Zigaretten angeboten werden.
So, das war es erstmal, ein recht kurzer Bericht, aber wenn Fragen bestehen, schreibt mir ruhig eine Email oder bei Facebook

Freitag, 23. Januar 2015

Frohes neues Jahr 2558!


Ja, ihr habt richtig gelesen: Es ist das Jahr 2885! Zumindest in Thailand, wohin vor genau einem Monat meine erste eigene Reise ging. Mit Tami und Tin bin ich morgens losgefahren zum Sân Bai, dem internationalen Flughafen von Hanoi, um uns dort mit Henni und Marlene aus Hòa Bình zu treffen und dann alle zusammen nach Thailand zu fliegen.

Am internationalen Flughafen von Bankok angekommen, nahmen wir den Skytrain, um zu unserem Hostel, dem "Feel at Home Backpackers" zu gelangen, in dem wir eine Nacht für umgerechnet acht Euro im Dorm Room verbrachten. Als wir mit dem Chef über unsere Reisepläne redeten, bat er uns an, für uns den Bus und die Fähre zu Insel Koh Tao zu buchen für 20 Euro. So wurden wir, das heißt Tami, Henni, Marlene und ich, dann am Nachmittag des zweiten Tages von einem Taxi abgeholt, das uns zur Busstaion brachte, von der alle Fernbusse aus fuhren. Tin, die sich mit einer Freundin in Thailand getroffen hatte, hat eigene Reisepläne gehabt. In den drei Stunden, die wir auf den Bus warteten, konnten wir das große Einkauszentrum begutachten, das wahrscheinlich nur für diesen Zweck dort erbaut wurde. Für kleines Geld hat man dort leckere Donuts bekommen!

Den Heiligabend verbrachten wir somit in einem Reisebus zwischen Thailändern, die auch über Nacht nach Chumphon reisen wollten. Morgens in besagter Stadt angekommen wurden wir in einer Art Sammeltaxi (es war eher ein langer bedachter Transporter) zum Pier gebracht, von wo aus die Fähre nach Koh Tao ablegt. Für Marlene, Tami und mich war die Überfahrt ein reiner Horrortrip. Es began stilgerecht mit dem Erbrechen von der Reling und die Restliche Fahrt verbrachte ich auf der Toilette. Die neben mir wurde später auch von Tami besetzt und Marlene beanspruchte eine Mülltonne für sich. Henni ist von diesem Schicksal verschont geblieben.

Als wir endlich Fuß auf Koh Tao setzten, musste ich mich somit erstmal sammeln, bevor wir den Fußmarsch von (gefühlten?) fünf Kilometern zum Blue Wave Resort antraten, von dem Tin uns vor unserer Trennung berichtet hatte. Leider waren die Preise nicht so günstig wie erhofft (wir hatten alle ein recht begrenztes Budget) und waren daher neben dem Strandbesuch auch mit der Suche nach einem Zimmer für weniger als 300 Baht beschäftigt. Am Abend hatten wir dann ein günstigeres (aber besseres) Zimmer für den nächsten Tag gefunden und konnten somit voll und ganz die Feuershow der Sunset Bar genießen. Nach der eigentlichen Show wurde noch weitergemacht - mit brennenden Springseilspringen und Limbastab! Marlene hat sich dabei ein wenig am Hals verbrannt... der erste Unfall auf unserer Reise.

Sonnenuntergang am Strand von Koh Tao

Am Ende der Feuershow das Highlight


Am nächsten Tag zogen wir also um ins 50 Baht günstigere Wind Beach Resort, wo das Zimmer viel geräumiger und sauberer war. Beim Schwimmen im Meer haben wir nicht weit vom Strand entfernt schon die ersten Korallen im etwa 2 Meter tiefen klaren Wasser gesehen. Am späten Nachmittag gingen wir in ein Restaurant, in dem es für 200 Baht, also gerade mal fünf Euro, drei Stunden lang Pizza all you can eat gab. Aber schon nach einer Stunde hatten wir mehr als genug gegessen und mussten leider aufgeben. Als wir mit überfüllten Mägen zum Zimmer zurückkehrten, lernten wir unsere brasilianischen Nachbarn kennen, die uns ins "Castle" eingeladen haben. Dort angekommen war die Stimmung aber nicht wirklich der Hammer, weswegen wir nach kürzester Zeit wieder zum Strand zurückkehrten um bei der Feuershow zu sitzen, die anscheinend kein einmaliges Event war. 

Das war dann auch unser letzter Abend auf der Insel, denn am darauffolgenden Tag buchten wir Betten auf einer Fähre, die über Nacht nach Chumphon zurück fuhr. Deshalb wollten wir unseren letzten Tag zum Schnorcheln am Schildkröten-Strand nutzen. Leider kam es nie dazu, da Tami und ich kurz vor unserem Ziel mit dem Mofa auf der Sandigen Straße abrutschten und Tami in eine Klinik gebracht werden musste. Das war der zweite Unfall. 


Die Rückfahrt aufs Land war zum Glück ruhig und angenehm, sodass wir alle durchschlafen konnten. Da wir nichts konkretes geplant oder gebucht hatten, haben wir uns zu Fuß auf den Weg nach Chumphon gemacht. Die Strecke war länger als gedacht, aber wir haben es uns gewagt, zu trampen und waren dann zur Mittagszeit schon in unserem nächsten Hotel (ohne S!), wo wir die nächsten drei Nächte verbrachten. Obwohl eine Nacht im Suriwang Hotel nur 105 Baht kostete (etwa 2,50 Euro), war das Zimmer sauber und wir hatten sogar einen Fernseher und eine gute WLAN Verbindung! Zudem gab es jeden Morgen Kaffee, Kakao und Kekse umsonst, sehr sympathisch. :)

Ein typisch thailändisches Haus in der Stadt Chumphon

Dieses kleine Häuschen beherbergt angeblich den
Hausgeist, der beim Hausbau vertrieben wurde
und jetzt die Grenze zum Grundstück bewacht

Mysteriöses Getränk

Der Bahnhof von Chumphon


Wir erkundeten die Stadt ein wenig, aßen superscharfes Curry ("Ist das scharf?" - "Nur ein bisschen") und sehr leckeren Salat, waren in der Shopping Mall, sind mit einem gelben Mönch-Taxi zum leider nicht ganz so schönen Strand gefahren und ich für meinen Teil habe ein wenig Thailändisch gelernt. 

Am letzten Tag des Jahres sind wir schon früh morgens aufgestanden, haben unsere Taschen gepackt und uns zum Bahnhof begeben, wo wir mit dem Zug für etwas mehr als einen Euro in der sogenannten "Holzklasse" in den etwas bekannteren Urlaubsort Hua Hin fuhren. Noch am gleichen Tag waren wir wieder im Meer schwimmen, doch leider verbrachten wir die Silvesternacht nicht im Strand Hotel oder Club, sondern im Krankenhaus, da Henni in einen Meeresbewohner getreten ist, der ihr mit seinem Stachel schreckliche Schmerzen zugefügt hatte. Die Jahreswende war also geprägt von Schlaf anstatt von Alkohol, denn das wenige Feuerwerk, das es gab, war nicht laut genug, um einen wach zu halten.



Am nächsten Tag wurde Henni dann entlassen und da nach dem dritten Unfall innerhalb einer Woche jeder von uns verletzt war, haben wir an dem Tag nichts großes mehr unternommen und haben uns nur beim ungenutzten Steg hingesetzt und die Meeresbriese genossen.



Der Strand vor dem Hilton Hotel in Hua Hin




Mit dem Zug fuhren wir am darauffolgenden Tag für einen Euro, natürlich wieder in der Holzklasse, zurück nach Bangkok. Auf der Fahrt haben wir ein Haus gesehen, auf dem Affen saßen wie bei uns Tauben auf dem Kirchturm. In Bangkok angekommen, machten wir uns auf die Suche nach einer Bleibe für die Nacht und verbrachten diese letztendlich für 6,50 Euro im Orchid Hostel in der Nähe vom Bahnhof. Die nächsten zwei Übernachtungen waren dann allerdings im Overstay, das ziemlich schäbig ist, wo eigentlich nur alternative Backpacker sind. Dafür kostet eine Nacht gerade mal 3 Euro.



An unserem vorletzten Tag in Thailand  haben wir uns mit Marlenes Schwester getroffen, die mit ihrem Freund auch dort war. Zusammen sind wir die Tempelanlage Wat Arun besuchen gewesen und abends in eine riesige Shopping Mall gegangen.

Busfahrt in Bangkok







Der letzte Tag begann eher unschön mit einer Kakerlaken-Invasion, die wir aber nur kurze Zeit miterleben mussten, da wir ja wieder zurück zum Flughafen mussten. Unglücklicherweise hatte Marlene ihren Reisepass aber dort vergessen, weswegen wir nur zu dritt zurück nach Hanoi geflogen sind. Da eigentlich noch zwei weitere Freunde für die Reise miteingeplant waren, die aber kurz vorher ihre Pläne ändern mussten, hatten wir insgesamt eine Ausfallqute von 50 Prozent!!

Alles in allem war die Reise nach Thailand aber trotz der unschöneren Erlebnisse eine tolle Zeit und ich bin froh, sie mit so tollen Leuten verbracht zu haben! Danke :)    

Samstag, 20. Dezember 2014

Weihnachtszeit in Vietnam



In vier Tagen ist es schon so weit, das Weihnachtsfest steht vor der Tür. Leider bekommt man bis auf die Musik im neuen Einkaufszentrum "Big C" nicht viel davon mit. Man liest zwar ständig die weihnachtlichen Posts auf Facebook, aber auch das bringt uns hier nicht wirklich in Stimmung. Im Vorbereitungsseminar wurden wir aber von den Ehemaligen Freiwilligen schon davor "gewarnt", sodass die meisten von uns über Weihnachten (lễ Noel) und Silvester (Tết tây) in der thailändischen Sonne brutzeln werden. Zwei von uns bleiben in Vietnam, weil sie Besuch erwarten, und zwei andere mussten leider zurück nach Deutschland, was das alles noch ein bisschen trauriger macht.
Die Temperaturen hier sind natürlich wärmer als bei euch, doch auch hier im Norden ist es kalt, tagsüber sind es zwischen 9°C und 19°C, was sich jedoch nochmal wie 10°C weniger anfühlt. Trotzdem scheint die Sonne und alles passt irgendwie nicht zusammen, sodass nichteinmal ansatzweise soetwas wie Weihnachtsstimmung aufkommen könnte. Aber dafür können wir uns auf Thailand freuen.
Trotzdem wünsche ich euch allen eine schöne und besinnliche Weihnachtszeit, ein friedliches Zusammensein und eine wundervolle Zeit mit Freunden und Familie und natürlich ein fröhliches Weihnachtsfest! Liebe Grüße an meine Familie, Freunde und alle, die das hier lesen und an mich gedacht haben! Ich vermisse euch alle hier sehr!!







Übrigens waren wir letzten Monat in der Hạ Long Bucht auf der Insel Cát Bà, wo die Temperaturen auch noch etwas milder waren als hier, sodass wir sogar am Strand dort schwimmen gehen konnten. Leider ist die Insel auch bereits stark vom Tourismus geprägt, sodass die einzige richtige Hauptstraße dort fast nur aus Hotels und überteuerten Souvenirläden bestand. Vor den zwei Nächten auf der Insel haben wir auch eine Nacht auf einem Touristenboot verbracht, wo wir neben vier Franzosen die einzigen Besucher auf dem Schiff waren. Das Essen, das serviert wurde, war zwar genau abgezählt, aber morgens gab es das erste Mal für uns in Vietnam Toast mit Spiegelei!