Montag, 27. Juli 2015

Der Endspurt


Für fünf von uns sieben Freiwilligen in Vietnam ist es am 1. August soweit: die Rückkehr nach Deutschland steht bevor.
Und ohne dass man es merkt, ist schon fast ein ganzes Jahr vergangen, wo es einem wirklich gar nicht so vorkommt. Aber rückblickend auf den August letzten Jahres ist dann doch schon viel Zeit vergangen, in der man sehr viel über das Land, die Leute, aber auch sich selbst gelernt hat.

Leider hatte ich in den ganzen Monaten nie wirklich die Zeit dazu gefunden, Vietnam wirklich zu bereisen. Natürlich waren wir mit anh Thang in Hanoi, Sapa und in der Halong Bucht, aber bis zu unserem letzten Seminar war ich als einzige aus unserer Gruppe noch nie südlicher als Hoabinh, wo Henni und Marlene wohnen.

In besagtem Seminar haben wir dann die ersten zwei Nächte bei anh Thang's Vater verbracht, danach haben wir in einem Homestay und einem Ho(s)tel übernachtet. Wir haben alle zusammen die Kriegstunnel in Cu Chi besichtigt, waren am Mekong Delta, haben diverse "Fabriken" besichtigt, welche aber eher in Handarbeit herstellen, als dass Maschinen diese Arbeit übernehmen. Jetzt wissen wir aber zumindest, wie man Reisnudeln und Kokosmilchbonbons hersellt. In dem Homestay gab es auch abends noch riesige leckere Bánh Xèo zu futtern.

Ich fand es für mich selbst wichtig, regionale Gerichte zu probieren und mit den Menschen versuchen zu kommunizieren (klingt einfacher als es dank der großen Dialektunterschiede ist). Im Süden haben wir als Gruppe immer zusammen mit anh Thang gegessen, weswegen es so gut wie jeden Tag Sommerrollen gab - die natürlich sehr sehr lecker, aber leider nicht wirklich abwechslungsreich, sind. Daher habe ich nicht allzu viele kulinarische Eindrücke aus Saigon sammeln können. 
Was die Sprache angeht, so hört sich der südliche Dialekt ganz anders an als der im Norden. Einige Buchstaben werden völlig anders ausgesprochen, wodurch viele Worte natürlich erst beim zweiten Hinhören für ungeübte Ohren verständlich sind. Im Vergleich zum Norden ist der Süddialekt viel weicher und melodischer denke ich. 
Die Stadt allgemein unterscheidet sich natürlich auch von der Hauptstadt im Norden: alles scheint ein wenig großer zu sein als in Hanoi, das Zentrum ist besser ausgebaut und es gibt haufenweise Hochhäuser in der Stadtmitte und im Stadtrandgebiet. Es scheint ein wenig sauberer, aber das ist vielleicht nur ein subjektiver Eindruck meinerseits. Es war schön, abends all die jungen Mennschen auf dem riesigen Platz in der Innenstadt friedlich beisammen zu sehen, wie sie spielen, singen und einfach ausgelassen Spaß haben.

Nach dem Seminar habe ich beschlossen, meinen Rückweg alleine anzutreten per Open-Bus-Ticket von Saigon nach Hanoi über Nha Trang, Hoi An und die alte Kaiserstadt Hue. Leider habe ich wie anfangs erwähnt nicht mehr viel Zeit in Vietnam, weswegen, es eher ein grobes Speed-Traveling als eine wirkliche Reise war. Somit habe ich die größten "Touristen-A(ttra)ktionen außer Acht gelassen, mit dem Hintergedanken, das Land irgendwann nochmal vernünftig und gründlich zu bereisen, und stattdessen viel Zeit mit Locals zu verbringen und regionale Gerichte zu entdecken.






2015/07/14 - 15
Nha Trang...


... ist bekannt für seinen tollen Strand und die Unmengen von Russen, die dieser anzieht. Tatsächlich sind mindestens zwei Drittel der Ausländer aus Russland. Später habe ich erfahren, dass es viele Direktflüge von Russland nach Nha Trang gibt und das Touristenvisum für jene Menschen kostenlos ist. Glückspilze!
Ich bin mit dem Nachtbus angereist, wodurch ich schon früh morgens loslegen konnte und erstmal tauchen gegangen bin mit der Crew von den Nha Trang Fundivers. Das Unterwasserleben ist leider nicht ganz so abwechslungsreich wie das bei El Nido in den Philippinen, aber es war trotzdem schön und wir haben eine riesige Qualle gesehen. Meine Mittaucher, Buddy und sogar einer der Divemaster waren natürlich russischen Ursprungs. Auch die anderen Mitglieder der Tauchbasis sind alle sehr freundlich, lustig, zuvorkommend und hilfsbereit gewesen. Man hat mir bei der Hotelsuche, dem Shopping, Essen gehen und vielem mehr mit Rat und Tat bei Seite gestanden (wie ich es zum Glück von den meisten Menschen in diesem Land erfahren durfte). Ich bin sogar rechtzeitig zum letzten Tag des Sea-Festivals angekommen, wo abends bekannte vietnamesische Sänger Playback recht interessante themenbezogene Lieder gesungen und eine gute Show geliefert haben. 
Am nächsten Tag habe ich mir die Zeit für einen erholsamen Schlaf genommen und bin danach im Meer schwimmen gewesen. Vom Strand aus kann man die längste Gondel der Welt (?) sehen, die geradewegs vom Festland rüber auf die Insel des Vinpearl-Lands führt, welches ein riesiges Ferien-Ressort mit Vergnügungspark ist.
Übernachtet habe ich übrigens im wirklich sauberen und freundlichen Hanoi Golden Hotel, wo eine Nacht im 12er-Dorm mit super bequemer Matratze 5$ gekostet hat.

Favorisiertes Essen: Bánh Bò (schmeckte aber in Südvietnam bisher am besten)




2015/07/16-18
Hoi An...


bei Nacht leuchten genau wie
hier tausende bunte Laternen
über den Köpfen der Leute
Die Straße hat mich sehr an diese
Filmszene erinnert
...wird von vielen Touristen aufgesucht, um Maßanfertigungen von Schuhen und Kleidern für wenig Geld in kürzester Zeit (1 Tag!) zu bekommen. In Saigon sind wir abends auf eine Gruppe Engländer in maßgeschneiderten Anzügen mit witzigen Motiven gestoßen, die diese natürlich in Hoi An haben anfertigen lassen. Ferner kennt man Hoi An aber auch als "Stadt der Laternen", die abends und nachts die ganze Stadt erhellen und ihr einen mysteriösen und altehrwürdigen Hauch verleihen. Als repräsentatives Souvenir wurde eine solche selbstverständlich gekauft. Als ich sowohl tagsüber als auch abends durch die Straßen Hoi Ans geschlendert bin, musste ich unmittelbar an die Szenerie aus Hayao Miyazaki's "Chihiro's Reise ins Zauberland denken. 

Ich habe mir dort natürlich auch Sachen maßanfertigen lassen, wo ich schon mal dort war, und auf diedem Wege einige nette Bekanntschaften machen können. Zwei Nächte lang habe ich in einem "Homestay" (5$ pro Nacht im Einzelzimmer) geschlafen, was aber keineswegs ein Homestay-Feeling hatte, da die Familie die Zimmer eher zum Zweck einer Nebeneinnahmequelle vermieten, anstatt einem das vietnamesische Leben und dinieren näherzubringen. 
Was das Essen angeht, so hat Hoi An auf jeden Fall eine sehr spezielle Küche, die sich sehr von der vietnamesischen Norm abhebt. Bekannt für die Region sind die besonders die beiden Gerichte Cao Lau (ein bisschen wie Salat) und Hoành Thánh (eher bekannt als Wan Tan). Letzteres war wirklich ein klinarischer Genuss! Direkt neben dem Homestay haben zwei alte Damen abends auch sogenannte Taiyaki verkauft, was eigentlich ein mit süßer Bohnenpaste gefüllter japanischer Snack ist, aber hier Vietnam-Style mit trockenfleisch und Kososraspeln gebacken wurde.

Vietnamesische Taiyaki:
Sie dienten mir auf dem 4km langen Weg zum Strand als Snack

Hoành Thánh als Suppe

Die Japanische Brücke
leider muss man seit kurzem Geld bezahlen, um sie betreten zu dürfen

Eine Szene wie im Film

Eine von vielen Tempelanlagen in der Stadt

Das Wahrzeichen Hoi An's:
Die Laternen

Obwohl meine Zeit hier nur sehr kurz war, so habe ich doch einige
sehr nette Bekanntschaften machen können

Cao Lau






2015/07/18 - 20
Hue...


... ist die alte Kaiserstadt Vietnams, von der aus in alten Zeiten das ganze Land regiert wurde. Die größte Attraktion dort ist natürlich somit die Zitadelle und der Innenhof des alten Stadt. Das Touristen-Programm habe ich mir aber für meinen nächsten Besuch aufgespart und bin stattdessen mit Backpackern und Einheimischen unterwegs gewesen. Dank letzterem hatte ich auch die Chance, einige regionale Gerichte zu probieren, wie zum Beispiel Bánh Bèo, Bánh Cuon Cha und Bún Hen.
Untergekommen bin ich übrigens wieder für 5$ im Tigon Hostel, im 12er-Dorm. Dort gibt es auch eine Rooftop-Bar, Computer, Fernseher mit Spielkonsolen und Filmen und in den Badezimmern gibt es Badewannen!!
Ikemen-Geheimtip ;)


Banh Cuon Cha

Bun Hen


Westliches Tor

Im Inneren gibt es gewiss noch mehr solcher Gebäude

Östliches Tor




Zurück in Hanoi musste ich mir erstmal ein Backpack besorgen, um das ganze neue Gepäck (überwiegend Kleidung, weil ich nicht viel mitgenommen hatte) in etwas anderem als Mülltüten unterzubringen, ist übrigens auch kompfortabler und ich brauchte sowieso noch einen, da der Koffer alleine nicht reichen wird für das Gepack, das ich mit nach Deutschland zurücknehmen werde.
Jetzt heißt es jedenfalls Souvenirs für die Daheim gebliebenen besorgen und allen Freunden nochmal vorerst Tschüss sagen.

Rückblickend auf das Jahr kann ich sagen, dass ich zwar viele Dinge hätte anders oder besser machen können, doch ich bin an eben jenen Dingen gewachsen und habe viele Dinge fürs Leben und für die Zukunft gelernt. Ich bereue es  auf keinen Fall, nach Vietnam gekommen zu sein!

Nochmals vielen Dank an all die Menschen, die an meiner Seite waren, sowohl vor, während als auch nach der Zeit in Vietnam, an all jene, die mein Vorhaben in jeder erdenklicher Art gefördert und unterstützt haben, ganz besonders an meine Familie.
Anfangs, wo alles neu und toll und anders war, hatte ich in meinem kleinen Köpfchen leider wenig Platz für euch gefunden, doch je mehr Zeit verging, besonders jetzt zum Ende hin, fehlt ihr mir alle sehr und obwohl ich vieles in und an Vietnam vermissen werde, bin ich froh, endlich wieder bei euch zu sein. Es war sehr schön hier, doch mein Platz, zu dem es mich trotz meiner extremen Wanderlust hinzieht, wird immer bei euch sein. 
- Ich hab euch lieb❣ ♥



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